Recovery

Recovery (Wiedererstarken, Genesung) ist eine Haltung, die davon ausgeht, dass jeder Mensch das Potenzial hat auch von einer schweren seelischen Erkrankung wieder zu genesen. Es kommt nicht darauf an, vollständig symptomfrei zu werden, sondern ein erfülltes Leben führen zu können. Hoffnung ist ein zentraler Begriff von Recovery, denn am meisten hat uns geholfen nicht aufzugeben und Menschen um uns zu haben, die an uns glauben – vor allem, wenn wir es selbst nicht mehr können. Auch wenn jeder Recoveryweg immer wieder von Stillstand oder sogar Rückschritt geprägt ist, so führt er aufwärts, wenn wir ihn möglichst konsequent verfolgen. Wenn wir die schlimmsten Zeiten hinter uns haben, dann sehen wir unsere Erkrankung nicht mehr nur als Last und Behinderung, sondern erkennen, dass sie für uns auch einen Schatz an Erfahrung und Wissen birgt, der uns weiterbringen kann. Der Erkrankung einen Sinn zu geben hilft uns, unsere Entwicklung zu verstehen und optimistisch in die Zukunft zu blicken.

„Recovery ist ein zutiefst persönlicher, einzigartiger Veränderungsprozess im Hinblick auf die Einstellungen, Werte, Gefühle, Ziele, Fähigkeiten und Rollen eines Menschen im Leben und eine Möglichkeit, auch mit den Einschränkungen durch die Erkrankung ein befriedigendes, hoffnungsvolles und aktives Leben zu führen“
Anthony 1993

Recovery komprimiert

  • Konzept das ursprünglich von Betroffenen aus dem englischsprachigen Raum entwickelt wurde ausgehend von ihrer eigenen Genesung von schweren psychischen Erkrankungen
  • Recovery = (Wieder)Erlangung von Genesung, wiedererstarken
  • Jeder seelisch erschütterte Mensch hat das Potenzial zu Genesung
  • Jeder seelisch erschütterte Memsch hat die Chance auf ein zufriedenstellendes und erfülltes Leben unabhängig von der Schwere seiner Störung.
  • Erstes Ziel ist nicht Symptomfreiheit, sondern ein gutes Leben selbst mit Symptomen
  • Recovery ist ein lebenslanger Prozess mit der Wandlung von Werten, Einstellungen, der Sicht auf Gesundheit und Krankheit, Rollen, Ziele und Bedürfnissen
  • Kein Mensch ist ausschließlich krank. Jeder hat gleichzeitig gesunde und kranke Anteile. Der Mensch bewegt sich auf einem Kontinuum zwischen gesund und krank, wobei sich das Verhältnis zeitlich gesehen immer wieder ändert
  • Der individuelle Recoveryweg beinhaltet auch Rückschritte, Stagnation und Scheitern, ist aber auf Dauer positiv fortschreitend
  • Recovery legt den Fokus mehr auf die Befindlichkeit und weniger auf die Behandlung
  • Hoffnung ist wesentlich für die Genesung. Notfalls benötigt der Betroffene stellvertretende Hoffnung („holder of hope“). Motto: Hoffnung macht Sinn
  • Der Problematik einen Sinn zu geben, fördert die Genesung
  • Recovery ist ein optimistische Sicht auf die eigene Person und deren Entwicklung.

Die Konzepte Recovery, Empowerment, Salutogenese und Selbsthilfe sind schwer voneinander abzugrenzen und ergänzen sich gegenseitig.

Literatur:
„Recovery. Das Ende der Unheilbarkeit“ (Michaela Amering, Margit Schmolke, Psychiatrie Verlag 2007)
„Recovery in der Praxis“ (Christian Burr, Michael Schulz, Andréa Winter, Gianfranco Zuaboni, Psychiatrie Verlag 2013)