Empowerment

Empowerment (Selbstbefähigung, Selbstermächtigung) bedeutet das eigene Leben (wieder) in die Hand zu nehmen. Den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen stärkt uns. Wir beschäftigen uns nicht mit unseren Defiziten und dem was wir nicht mehr können, sondern entdecken unsere gesunden Anteile und merken, dass wir mehr Kompetenzen haben, als wir glauben. Empowerment ist ein Weg der kleinen Schritte und wir lassen uns nicht von zu hohen Erwartungen unter Druck setzen. Empowerment kann auch heißen sich einzumischen und politisch tätig zu werden, um positive Entwicklungen mit anzustoßen. Sich frei zu machen von unnötigen Zwängen und Fremdbestimmung, um selbstbestimmt leben zu können, ist ein Anliegen von Empowerment.

Im Folgenden eine Übersicht, was wir unter Empowerment verstehen:

Empowerment komprimiert

Für Psychiatrieerfahrene und Profis

Für Psychiatrieerfahrene

  1. Empowerment = Selbstbefähigung, Selbstermächtigung
  2. Der Begriff Empowerment ist ist den USA während der Freiheitsbewegung der dunkelhäutigen Amerikaner und der Emanzipationsbewegung der Frauen entstanden
  3. Finden zu Selbstbestimmung, Selbstständigkeit und Autonomie
  4. Eigene Entscheidungen treffen
  5. Eigenverantwortlich denken und handeln
  6. Sich organisieren, sich einmischen
  7. Fähigkeiten (wieder)entdecken und umsetzen
  8. Eigeninitiative entwickeln
  9. Proaktiv sein im Gegensatz zu reaktiv
  10. An Selbstwirksamkeit glauben und Selbstwirksamkeit entwickeln
  11. Eigene Stärken wahrnehmen und nicht nur die Defizite (Ressourcenorientierung)
  12. Eigensinn und Kritikfähigkeit entwickeln
  13. Die 4 Leitgedanken der Offenen Herberge e. V. Stuttgart
    1. Selber machen
    2. Gemeinsam tätig sein
    3. Sich etwas zutrauen
    4. Jede und jeder wie er oder sie kann
  14. Wichtig: In kleinen Schritten denken, sich nicht selbst überfordern, eigene Grenzen erkennen und akzeptieren
  15. Empowerment ist für jeden gut, aber vor allem für seelisch erschütterte Menschen, da bei diesen häufig Kompetenzen blockiert sind

Für Profis

  1. Empowerment kann von den Profis nur gefördert werden und nicht „gemacht“ werden
  2. Bereitstellung von einem förderlichen Umfeld (Räume, Mobilität, Hilfestellung) und finanziellen MittelnHilfe zur Selbsthilfe geben
  3. Empowerment als Haltung und nicht als Methode
  4. An Fähigkeiten und Entscheidungskompetenz der Betroffenen glauben und diese fördern
  5. Teilhabeansatz statt Fürsorgeprinzip
  6. Selbstorganisation und Selbsthilfe fördern
  7. Ressourcenorientierung
  8. Macht und Verantwortung abgeben
  9. Eigensinn und Kritik positiv bewerten

Die Konzepte Recovery, Empowerment, Salutogenese und Selbsthilfe sind schwer voneinander abzugrenzen und ergänzen sich gegenseitig.

Literatur:
„Basiswissen: Empowerment in der psychiatrischen Praxis“ (Andreas Knuf, Psychiatrie Verlag, 1. Auflage 2006)